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Zollinger-Straße wird gewidmet

Termin: Mittwoch, 20. November 12 Uhr

Öffentliche Widmung der Friedrich-Zollinger-Straße (vormals Günter-Adolphi-Straße) auf dem Gelände der Hochschule Merseburg mit Enthüllung von > Aha-Zusatzschildern

Programm:
12.00 Uhr Ecke Leibnitzstraße – Laudatio zum Leben Zollingers vorgetragen von ihm selbst (alias Michael George)

12.05 Uhr Einstecken des Aha-Schildes durch Stadtrat Michael Hayn (CDU)

12.10 Uhr Fußweg zum Gartenhaus und Einstecken des zweiten Aha-Schildes durch Stadtrat Marcus Turre

12.15 Uhr kurze Ansprache Oberbürgermeister Bühligen

12.20 Uhr kurze Ansprache Rektor Prof. Dr. Kirbs

12.25 Uhr Einladung ins Zollinger-Gartenhaus

Zollinger-Gartenhaus der Hochschule Merseburg

Chronologie Zollinger-Jahr

21.07.18 Brief vom Vorsitzenden des Merseburger Altstadtvereins e.V. Dr. Hannuschka an OB Bühligen mit Anregung zur Benennung einer „Zollinger-Straße“ in Merseburg
19.09.18 Einstimmiger Beschluss des Stadtrates Merseburg zur Ausrufung eines Zollinger-Jahres in 2019
09.10.18 Kulturschatz-Werkstatt beim MITZ entwickelt Ideen zum Zollinger-Jahr
Nov. 18 Zollinger-Zollstock vom MITZ vorgestellt
Nov. 18 Herr Naumann Fa. Merco MTW stellt Zollinger-Kalender für 2019 vor
Dez 18/ Jan 19 Außenaufnahmen und Dreharbeiten von Herrn Greiss für Zollinger-Film
19.01.19 Neujahrsempfang der Stadt Merseburg im Ständehaus mit Eröffnung des Zollinger-Jahres 2019 durch Stadtratsvorsitzenden Werner und Oberbürgermeister Bühligen
16.02.19 Online-Umfrage des Stadtentwicklungsamtes zum Umgang mit Zollingers Erbe in Merseburg
27.02.19 Wochenspiegel-Beilage (16 Seiten) Kulturschatz Merseburg mit Schwerpunkt Zollinger
03.03.19 Der den Himmel bog“ Erwähnung im Blog der Zeitschrift „moderneREGIONAL“
https://www.moderne-regional.de/der-den-himmel-bog/
21. 3. 19 Fortbildung der Gästeführer (VHS) zum Zollinger-Thema durch Herrn Stenzel (Kulturhistorisches Museum Schloss Merseburg), Einführung: Herr George
23.03.19 Nationale Tagung des Landesheimatbundes im Ständehaus mit 6 Vortragenden „Modernes Bauen – Friedrich Zollinger in Merseburg“ (Tagungsband in Vorbereitung)
11.04.19 Beschluss des Stadtrates zur Namensgebung „Friedrich-Zollinger-Straße“
15.04.19 Reinigungsaktion am Zollinger-Denkmal der Albrecht-Dürer-Schule
17.05.19 Besuch von Landesbauministers Thomas Webel (CDU) mit  
Namensgebung des sanierten Zollinger-Hauses von Herrn Micheel
16.06.19 50. Merseburger Schlossfest
Der Sportverein SSV Rabe 90 unter Leitung von Frau Bradler gestaltet im Festumzug ein „Zollinger-Bild“ mit einem mobilen Zollinger-Dach der Fa Jannek
24.06.19 Zollinger-Präsentation beim Parlamentarischen Abend des Landtages in Freyburg
30.08.19 Kulturhistorischen Museum Schloss Merseburg
Vernissage zur Sonderausstellung „Das Dach der Moderne. Zollbau Merseburg. Konstruktion und weltweite Verbreitung.“ Im Vorfeld Verteilung kleiner Werbe-Lamellen (fast) an alle Bewohner von Zollingerdach-Häusern
06.09.19 Presse-Reise der IMG: Erläuterungen zum ehem. Gesundheitsamt, zur Siedlung „Klause“ und in der Zollinger-Ausstellung durch Frau Heise (Kulturhistorisches Museum Schloss Merseburg), Begrüßung durch OB Bühligen
08.09.19 Tag des offenen DenkmalsZentrale Eröffnungsveranstaltung in Merseburg in der Zollinger-Kreuzkapelle
mit Ansprache des Stadtratsvorsitzenden Herrn Striegel
07.09.19 Stadtführung durch Zollinger-Viertel – Bustour des Kulturhistorischen Museum Schloss Merseburg (Frau Dr. Heise)
21.09.19 Anwohner der Siedlung „Klause“ organisieren sich und feiern ein Zollinger-Fest mit originellen Beiträgen
21.09.19 Stadtführung durch Zollinger-Viertel – Bustour des Kulturhistorischen Museum Schloss Merseburg (Frau Dr. Heise)
05.09.19 Fahrradführung durch Zollinger-Viertel – Herr Stenzel: Kulturhistorisches Museum Schloss Merseburg
19.19.19 Stadtführung durch Zollinger-Viertel – Bustour des Kulturhistorischen Museum Schloss Merseburg (Herr Stenzel)
27.10.19 Abschluss der Zollinger-Ausstellung des Kulturhistorischen Museum Schloss Merseburg > Lesermeinung
20.11.19 Öffentliche Widmung der „Friedrich-Zollinger-Straße“ und Abschluss des Zollinger-Jahres
06.12.1910 Uhr Enthüllung der Stele am Zollingerhaus in der Christianenstraße und Würdigung als „Ort der Moderne“
23.12.19Auf Anregung des Altstadtvereins wurde die Holzkonstruktion im > Zollinger-Freilichtmuseum an der Dürerschule umfassend saniert
28.12.1914 Uhr Merseburger Stadtführer laden ein zur Jahresendführung mit Halt am Zollinger-Haus Markt 1

Stand 22.01.2020

Touristische Stele informiert über „Ort der Moderne“

Supersonntag Merseburg 14.12.2019 (sha)
Würdigung der Errungenschaften des Stadtbaurates Friedrich Zollinger, Merseburg als „Ort der Moderne“ ausgezeichnet

OB Bühligen und Unternehmer Gerd Micheel

Eine neue Beschilderung lädt Besucher zukünftig dazu ein, auch über das Bauhaus-Jubiläumsjahr hinaus, die architektonische Moderne in Sachsen-Anhalt zu erleben.
2019 hat Deutschland gemeinsam mit Partnern in aller Welt das 100- jährige Jubiläum des Bauhauses gefeiert. 1919 in Weimar gegründet, 1925 nach Dessau umgezogen und 1933 in Berlin geschlossen, bestand die legendäre Hochschule für Gestaltung nur 14 Jahre lang. Dennoch wirkt das Bauhaus bis in die Gegenwart fort. Es gilt international als erfolgreichster, kultureller Exportartikel Deutschlands aus dem 20. Jahrhundert.

Dessau ist die Stadt, mit der das Bauhaus am engsten verbunden ist. Hier hat die Hochschule am längsten gewirkt und zwischen 1925 und 1932 ihre Blütezeit erlebt. Und hier haben alle drei Bauhausdirektoren, Walter Gropius, Hannes Meyer und Mies van der Rohe, gelebt und gearbeitet. Die Zeit war zugleich die Hochphase der Bauhaus-Architektur, weshalb in Dessau auch die meisten Bauhaus-Bauten zu finden sind. Das Bauhaus-Gebäude, die Meisterhäuser und die Laubenganghäuser gehören heute zum Unesco-Welterbe.
Auf den Spuren der Moderne
Begleitet von einer rasant wachsenden Industrie, entwickelte sich in der Region des heutigen Sachsen-Anhalt nach dem Ersten Weltkrieg eine Dynamik, die die Region in die politische, kulturelle und künstlerische Moderne katapultierte und damit auch den Boden bereitete für die Entscheidung des Bauhauses, von Weimar in das anhaltische Dessau umzuziehen. Seinen Ausdruck fand dieser Aufbruch insbesondere auch in der innovativen Städte- und Siedlungsplanung.

Foto: Susanne Haslbeck

Die historischen Zeugnisse des Bauhauses und der Moderne sollten im Jubiläumsjahr – und darüber hinaus – neu entdeckt werden. Das Netzwerk „Bauhaus Dessau und die Moderne in Sachsen- Anhalt“ verbindet daher die bedeutenden Bauhaus-Stätten in Dessau-Roßlau mit weiteren prägenden Orten aus der Zeit der Moderne (1919 bis 1933), etwa in Magdeburg, Halle (Saale), Aschersleben oder Elbingerode. Insgesamt 39 Bauwerke in 14 Orten wurden von der Arbeitsgruppe Architekturvermittlung des Landes ausgewählt. Sie sollen auch über das Bauhausjubiläum hinaus gemeinsam vermarktet und über ein Informationssystem miteinander vernetzt werden mit dem Ziel Besucher für die bedeutenden Orte, Köpfe und die Architektur der Moderne in Sachsen-Anhalt zu begeistern. Auf der Webseite http://www.bauhaus-entdecken.de sind neben den 39 Highlights auch weitere 51 Bauwerke der Moderne zu finden. Die Spurensuche führt dabei auch zweimal in den Saalekreis sowie nach Halle.
Info-Stele für das „Zollingerhaus“
Am Wohnhaus „Zollingerhaus“ in Merseburg (dem ehemaligen Gesundheitsamt) macht seit 6. Dezember eine Informations- Stele auf die von Stadtbaurat Friedrich Zollinger in Merseburg erfundene revolutionäre Dachbauweise aufmerksam. Damit zählt Merseburg zum landesweiten touristischen Netzwerk „Bauhaus Dessau und die Moderne in Sachsen- Anhalt“. Übrigens: Mit „Zollbau“, dem Einsatz von Schüttbeton und Lamellendächern gelang es Zollinger während seiner Merseburger Amtszeit, schnell und günstig 2.500 Wohnungen neu zu schaffen. Oberbürgermeister Jens Bühligen erklärte: „Die gewölbten Dächer von Friedrich Zollinger haben das Bauen der Moderne revolutioniert. Der Merseburger Stadtbaurat leistete damit einen weltweiten Beitrag zum seriellen Bauen“. Das berühmte und elegante Dach mit seinem aus Lamellen bestehenden Flächentragwerk lässt sich in Merseburg heute noch an vielen Stelle bewundern; im „Zollingerhaus“ in der Christianen- Straße 23, heute ein Wohnhaus, welches in den letzten Jahren aufwändig von dem halleschen Unternehmer Gerd Micheel saniert wurde, sogar in Gänze. Dafür dankte der OB dem Privatmann herzlich. Quer durch Sachsen-Anhalt gibt es weitere, herausragende Orte der Moderne – Weg weisende Architektur, die Anfang des 20. Jahrhunderts unser Verständnis von Leben, Arbeiten, Lernen und Wohnen nachhaltig beeinflusst haben.
Laubenganghäuser in Bad Dürrenberg
So forderte die Erweiterung der Leuna-Werke in den 1920er Jahren beispielsweise ein ganz besonderes Projekt – die Gartenstadt Bad Dürrenberg. Zu ihrer Errichtung wurden einige der besten Architekten und Planer der 1920er Jahre engagiert, u. a. auch aus dem Umfeld des Bauhauses, der Bauhausdirektor Walter Gropius und Alexander Klein. Entstanden ist eine der wichtigsten Siedlungen dieser Zeit – auf der Schwelle zwischen Tradition und Moderne. Sehenswert sind die so genannten Laubenganghäuser (heutige Thomas-Müntzer-Straße 2-10), ein für die 1920er Jahre typischer Gebäudetyp. Im Erdgeschoss der Thomas-Müntzer- Straße 6h kann heute eine Museumswohnung besichtigt werden. Im Sommer war diese Korrespondenzstandort einer Ausstellung des Stadtmuseums Halle zum Thema „Kleinwohnungen“.
Hintergrund zum Netzwerk:
Im Netzwerk „Bauhaus Dessau und die Moderne in Sachsen-Anhalt“ werden auf Initiative des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung und der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH seit Beginn des Jahres 2019 diese Orte dauerhaft in das touristische Angebots- und Vermarktungsprofil des Landes integriert und anhand von Informationsstelen und -tafeln für Gäste erlebbar gemacht. Weiterführende Informationen finden Sie auch im Internet auf http://www.bauhaus-entdecken.de

Ankunft der Moderne

VON ROBERT BRIEST, Mitteldeutsche Zeitung 7.12.2019
Es ist eine schlichte zweigliedrige Betonstele, die Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU) und Eigentümer Gert Micheel am Freitagmorgen vor dem Zollinger-Haus in der Merseburger Christianenstraße enthüllten.Eine vieleckige Tafel, die im oberen Abschnitt eingelassen ist, klärt nun Besucher und Interessierte über Merseburgs Beitrag zur Moderne auf: das Zollinger-Dach. Die aus Holzrauten gebildete lamellenförmige Konstruktion des früheren Merseburger Stadtbaumeisters ermöglichte es ab den 20er-Jahren günstig und mit wenig Materialaufwand und die charakteristisch gebogenen Dächer zu bauen.

Dies würdigt das Land nun mit der neuen Stele. Sie soll, so erklärte es Friederike Süssig-Jeschor von der, Mitarbeiterin der Investitions- und Marketinggesellschaft des Landes, die Domstadt mit dem Netzwerk der Moderne verbinden. Mit diesem versucht Sachsen-Anhalt seine baulichen Schätze aus dem frühen 20. Jahrhundert auch über das Bauhausjahr 2019 hinaus touristisch zu verwerten. 39 Orte in 14 Städten gehören zum Netzwerk, das seinen Schwerpunkt natürlich in der Bauhausstadt Dessau hat. Aber auch Orte wie Elbingerode, Haldensleben oder Bad Dürrenberg finden sich auf der zum Projekt gehörenden Website. „Es geht darum, auch die kleinen Orte über Dessau hinaus in den Fokus zu rücken.“ Die Orte seien im Vorjahr ausgewählt wurden. Dabei sei ein wichtiges Kriterium gewesen, dass die Gebäude noch zugänglich sind, berichtete Süssig-Jeschor und fügte an: Die Stele in Merseburg ist erst die zweite im Land. Die Errichtung sei wegen der Eigentumsverhältnisse der Grundstücke nicht immer einfach. Weitere Stelen sollen aber folgen, etwa an der Großgarage in Halle.

In Merseburg gab es keine Grundstücksprobleme. Hier kümmern sich viele Anwohner des Zollinger-Viertels und auch Micheel als Besitzer des Zollinger-Hauses ohnehin darum, die Leistung des Stadtbaumeisters sichtbar zu machen. Dafür erhielten sie den Dank von OB Bühligen. Micheel reichte diesen an seine Mieter für deren Geduld weiter. Hätte er vor drei Jahren gewusst, welche statischen Probleme die Sanierung des Hauses mit sich bringen würde, hätte er vielleicht die Finger davon gelassen. Nun zeigte er sich aber mit dem Ergebnis zufrieden und bescheinigte dem Land, den richtigen Ort für eine Stele der Moderne ausgewählt zu haben.

Weitere Infos zum Projekt finden Sie auf http://www.bauhaus-entdecken.de.

Zollinger hat den Bogen raus

Zollinger-Jahr endet mit Widmung einer Straße in Merseburg
Ralf Penske, Wochenspiegel Merseburg 27.11.2019

Am 20. November 2019 erfolgte kurz vor Abschluss des Zollinger- Jahres die öffentliche Widmung der „Friedrich-Zollinger-Straße“ auf dem Gelände der Hochschule Merseburg mit dem Anbringen von zwei Zusatzschildern im Rahmen der Aktion des Merseburger Altstadtvereins e.V. > Aha-Effekt am Straßeneck. Gesponsert wurden die Schilder von der CDU und SPD Merseburg.
Friedrich Zollinger (1880 bis 1945), Architekt und Stadtplaner, war von 1918 bis 1930 Stadtbaurat in Merseburg. Nicht nur in Merseburg, sondern weit darüber hinaus machte sich Friedrich Zollinger einen Namen durch die breite Anwendung der Schüttbetonbauweise und die Entwicklung seines gewölbten Lamellendachs, das in Merseburg – am Ort seiner Erfindung – noch heute in großer Vielfalt zu beobachten ist.


Sponsor Michael Hayn mit Herrn George (Zollinger)

Was war an Zollingers Architektur so besonders?
Unter der Maßgabe, preiswerte Wohnungen zu schaffen, entwickelte er einen Generalbebauungsplan für die Stadt. Nach seinen Plänen entstanden mehrere Siedlungen mit den unverwechselbar gebogenen Zollinger-Dächern. Diese ermöglichten, Eigenheime und einfache Industriebauten materialsparend und preisgünstig zu errichten. Dabei wurde ein eigens von Zollinger entwickeltes Schüttbetonverfahren eingesetzt, mit dem die Häuser in kürzester Zeit errichtet werden konnten.


Sponsor Marcus Turre mit Herrn George (Zollinger)

Die markanten Zollinger-Dächer prägen heute nicht nur das Stadtbild von Merseburg. In aller Welt wurden Zollbau- Dächer auf Wohnhäuser und Garagen, auf Kongress- und auf Flugzeughallen, in großer Zahl auch auf Kirchen gesetzt.

Seit Kurzem wurde dem einstigen Stadtplaner ein nach ihm benanntes Haus gewidmet – das Zollinger-Haus in der Merseburger Christianenstraße. Das ehemalige Arbeits- und Wohlfahrtsamt der Stadt Merseburg (gebaut 1927) war in den vergangenen Jahrzehnten den meisten als Gesundheitsamt des Landkreises bekannt. Bis 2018 wurde es von privater Hand zu Wohnungen umgebaut.
Mit zahlreichen Veranstaltungen wurde Im Zollinger- Jahr der großen Bedeutung dieses Architekten und Konstrukteurs Rechnung getragen. Im Mittelpunkt stand eine vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt am 23. März durchgeführte Tagung. Im Lauf des Jahres folgten unter anderem eine Ausstellung des Kulturhistorischen Museums Schloss Merseburg sowie verschiedene Stadtrundfahrten und Radtouren.

Lesermeinung zur Zollingerausstellung

Sonntag der 27.10.2019 war der letzte Tag der Zollingerausstellung im Keismuseum. Mit Absicht habe ich keinen Dank in das beiliegende Gästebuch mit meiner unleserlichen Schrift eingetragen. Aber meine Lesermeinung ist verbunden mit der Hoffnung, ausgeschnitten und eingeklebt zu werden und einen schönen Schlusspunkt in das Besucherbuch zu setzen.

Das Museumsteam hat es in herausragender Form verstanden, den Stadtbaurat Friedrich Zollinger zu würdigen. In seiner Merseburger Wirkungszeit von 1918-1932 hat er mit einer effektiven Bauweise (Schüttbeton und Zollingerdach) das Bild unserer Stadt maßgeblich geprägt. Man könnte seiner Fantasie mal freien Lauf lassen und sich die weißen Flecke in unserer Stadt vorstellen, wenn die zahlreichen Zollingerquartiere fehlen würden. Ja der Architekt Zollinger hat sich selbst ein bleibendes Denkmal gesetzt. Aber erst durch die Ausstellung ist die große Bedeutung seiner Persönlichkeit an den Tag gekommen. Leider sind manche Visionen nicht verwirklicht worden. Wir konnten die Pläne der Umgestaltung der Sixtiruine mit Zollingerdach bestaunen. Die Stadthalle am Gotthardteich ist leider auch nur ein Traum geblieben. Solche Visionäre, die auch gleich mal eine Kirche aus eigenen Mitteln bauen, fallen wohl nur aller paar Jahrzehnte vom Himmel? Die Sanierung der Gagfah als Flächendenkmal wäre mir persönlich lieber gewesen als die heutige Ausstellung eines Eigenheimkatalogs. Ob das Friedrich Zollinger gefallen hätte?

Aber in der hintersten Ecke der Ausstellung hatten die Macher eine große Hoffnung platziert. Ein junges Team der Hochschule Leipzig entwickelt die Zolldachidee weiter. So könnte aus einer Zollingerausstellung vielleicht mal eine Zollingermesse werden?

Zum Schluß sei noch bemerkt, dass es um diese großartige Ausstellung ein vielfältiges Begleitprogramm im Zollingerjahr gab. Herr Zollinger (alias Herr George) war in der Stadt anzutreffen; am ehemaligen Gesundheitsamt steht jetzt „Zollingerhaus“ dran; das Klausen-Viertel feierte ein bemerkenswertes Zollinger-Bürgerfest; es gibt nun endlich eine Zollingerstrasse und eine > Webseite, wo man alles nachlesen kann.

Stadtführer Lutz Brückner

Anwohner feiern Siedlungsfest zu Ehren Zollingers

Wochenspiegel Merseburg 2.10.2019

Im Rahmen des Zollinger-Jahres 2019 organisierten die Anwohner der Merseburger Siedlung „Klause“ am 21. September in der Lindenaustraße und der Moestelstraße ein einzigartiges Siedlungsfest
Von Anne-Marie Jäger

„Wir wohnen in einem Zollinger-Haus!“, schallte es aus der Siedlung „Klause“. Die Bewohner der Moestel-, Lindenau- und König-Heinrich-Straße veranstalteten erstmals ein Siedlungsfest und ehrten damit Friedrich Zollinger und das nach ihm benannte Bauverfahren samt berühmtem „Zollinger-Dach“ – denn ebensolche Dächer tragen alle Häuser in der ganzen Siedlung. Und die war geschmückt an diesem 21. September:
Mit Wimpelketten, Luftballons und Luftschlangen. Ein buntes Programm, moderiert von den Anwohnern Marion Broedel, Elżbieta George und Dietmar George, führte durch den Tag und ein Highlight jagte das Nächste. Auch Merseburgs Oberbürgermeister Jens Bühligen stattete der Siedlung „Klause“ einen Besuch ab und zeigte sich begeistert vom Engagement der Anwohner.
Für Jung und Alt gab es Einiges zu entdecken. Verschiedene Aussteller, beispielsweise Infostände zur Zollinger-Klause, historische Fahrzeuge, eine Kinderschminkstation, Tanz-Shows, Live-Acts, aber auch ein Glücksrad, sorgten für allerhand Unterhaltung.
Am späten Nachmittag weihte Doreen Relius, Anwohnerin der Moestelstraße, das neue, erläuternde Zusatzschild der Straße ein, welches über Johann Hans Moestel (1478 bis 1558), Namensgeber der 1925 angelegten Straße, informieren soll. Ein ganz besonderes Highlight folgte zum Ende des Festes.
Der Erlös des Glücksrades kam der Kinderstation des Carl-von-Basedow-Klinikums Merseburg zu Gute. Dietmar George überreichte dem Geschäftsführer des Klinikums, Lutz Heimann, am Ende des Tages einen Betrag über 350 Euro, welcher sich aus den Einnahmen des Glücksrades und einer Spende der Stadt Merseburg zusammensetzt.
Stolz blicken die Anwohner der Siedlung „Klause“ auf das eigens von ihnen organisierte Siedlungsfest zurück. Mit viel Herzblut, großem Organisationstalent und dank zahlreicher Sponsoren und Unterstützer, haben sie ein Bürgerfest mit tollen Angeboten für die ganze Familie auf die Beine gestellt.

Zollinger-Lied von Marion Broedel & Dietmar George

> Notenblatt

  1. Merseburg vor hundert Jahren
    wurde plötzlich überrannt.
    Nach dem Krieg da kamen viele
    aus dem ganzen deutschen Land.
    Arbeit findet man in Leuna
    oder auch im Geiseltal.
    doch die Wohnraumsuche,
    sie ist jetzt ’ne Qual.
    Wohnungen gibt’s nicht mehr?
    ein Stadtbaurat muss her.
    (Refrain)
    Schaffe, schaffe Häusle bauen.
    Aufstehn schon im Morgenrauen!
    Wer bloß aber hat sich diese Siedlung ausgedacht?
    ’s war der Zollinger, der Zollinger
    der Mann von unser’m Dach.
  2. Friedrich ist ein Architekt,
    war vom Menschen inspiriert.
    Er verdiente sich Respekt,
    weil ein Dach er konstruiert,
    außerdem noch ein Patent,
    wie man günstig bauen kann;
    Siedlungshäuser eben
    für den kleinen Mann.
    Schüttbeton, Schüttbeton —
    der Knüller der Saison!
    (Refrain)
    Schaffe, schaffe Häusle bauen…
  3. Zuerst plant er ein Zuhause,
    Doppelhaus mit Stall und Hof,
    und er nennt die Siedlung „Klause“,
    doch den Namen find‘t man doof.
    Viele hausten in Baracken,
    die ganz schwarz gestrichen war‘n,
    sieht so aus wie‘n „Negerdörfchen“ —
    ist doch klar!
    Baugerüst läuft hin und her,
    wer bauen will, hat‘s schwer!
    (Refrain)
    Schaffe, schaffe und so weiter
    auf der langen Lebensleiter,
    uns‘re Siedlung lässt sich seh‘n,
    wir haben was geschafft.
    Dank dem Zollinger, dem Zollinger
    und uns‘rer eignen Kraft!

© Marion Broedel & Dietmar George