Touristische Stele informiert über „Ort der Moderne“

Supersonntag Merseburg 14.12.2019 (sha)
Würdigung der Errungenschaften des Stadtbaurates Friedrich Zollinger, Merseburg als „Ort der Moderne“ ausgezeichnet

OB Bühligen und Unternehmer Gerd Micheel

Eine neue Beschilderung lädt Besucher zukünftig dazu ein, auch über das Bauhaus-Jubiläumsjahr hinaus, die architektonische Moderne in Sachsen-Anhalt zu erleben.
2019 hat Deutschland gemeinsam mit Partnern in aller Welt das 100- jährige Jubiläum des Bauhauses gefeiert. 1919 in Weimar gegründet, 1925 nach Dessau umgezogen und 1933 in Berlin geschlossen, bestand die legendäre Hochschule für Gestaltung nur 14 Jahre lang. Dennoch wirkt das Bauhaus bis in die Gegenwart fort. Es gilt international als erfolgreichster, kultureller Exportartikel Deutschlands aus dem 20. Jahrhundert.

Dessau ist die Stadt, mit der das Bauhaus am engsten verbunden ist. Hier hat die Hochschule am längsten gewirkt und zwischen 1925 und 1932 ihre Blütezeit erlebt. Und hier haben alle drei Bauhausdirektoren, Walter Gropius, Hannes Meyer und Mies van der Rohe, gelebt und gearbeitet. Die Zeit war zugleich die Hochphase der Bauhaus-Architektur, weshalb in Dessau auch die meisten Bauhaus-Bauten zu finden sind. Das Bauhaus-Gebäude, die Meisterhäuser und die Laubenganghäuser gehören heute zum Unesco-Welterbe.
Auf den Spuren der Moderne
Begleitet von einer rasant wachsenden Industrie, entwickelte sich in der Region des heutigen Sachsen-Anhalt nach dem Ersten Weltkrieg eine Dynamik, die die Region in die politische, kulturelle und künstlerische Moderne katapultierte und damit auch den Boden bereitete für die Entscheidung des Bauhauses, von Weimar in das anhaltische Dessau umzuziehen. Seinen Ausdruck fand dieser Aufbruch insbesondere auch in der innovativen Städte- und Siedlungsplanung.

Foto: Susanne Haslbeck

Die historischen Zeugnisse des Bauhauses und der Moderne sollten im Jubiläumsjahr – und darüber hinaus – neu entdeckt werden. Das Netzwerk „Bauhaus Dessau und die Moderne in Sachsen- Anhalt“ verbindet daher die bedeutenden Bauhaus-Stätten in Dessau-Roßlau mit weiteren prägenden Orten aus der Zeit der Moderne (1919 bis 1933), etwa in Magdeburg, Halle (Saale), Aschersleben oder Elbingerode. Insgesamt 39 Bauwerke in 14 Orten wurden von der Arbeitsgruppe Architekturvermittlung des Landes ausgewählt. Sie sollen auch über das Bauhausjubiläum hinaus gemeinsam vermarktet und über ein Informationssystem miteinander vernetzt werden mit dem Ziel Besucher für die bedeutenden Orte, Köpfe und die Architektur der Moderne in Sachsen-Anhalt zu begeistern. Auf der Webseite http://www.bauhaus-entdecken.de sind neben den 39 Highlights auch weitere 51 Bauwerke der Moderne zu finden. Die Spurensuche führt dabei auch zweimal in den Saalekreis sowie nach Halle.
Info-Stele für das „Zollingerhaus“
Am Wohnhaus „Zollingerhaus“ in Merseburg (dem ehemaligen Gesundheitsamt) macht seit 6. Dezember eine Informations- Stele auf die von Stadtbaurat Friedrich Zollinger in Merseburg erfundene revolutionäre Dachbauweise aufmerksam. Damit zählt Merseburg zum landesweiten touristischen Netzwerk „Bauhaus Dessau und die Moderne in Sachsen- Anhalt“. Übrigens: Mit „Zollbau“, dem Einsatz von Schüttbeton und Lamellendächern gelang es Zollinger während seiner Merseburger Amtszeit, schnell und günstig 2.500 Wohnungen neu zu schaffen. Oberbürgermeister Jens Bühligen erklärte: „Die gewölbten Dächer von Friedrich Zollinger haben das Bauen der Moderne revolutioniert. Der Merseburger Stadtbaurat leistete damit einen weltweiten Beitrag zum seriellen Bauen“. Das berühmte und elegante Dach mit seinem aus Lamellen bestehenden Flächentragwerk lässt sich in Merseburg heute noch an vielen Stelle bewundern; im „Zollingerhaus“ in der Christianen- Straße 23, heute ein Wohnhaus, welches in den letzten Jahren aufwändig von dem halleschen Unternehmer Gerd Micheel saniert wurde, sogar in Gänze. Dafür dankte der OB dem Privatmann herzlich. Quer durch Sachsen-Anhalt gibt es weitere, herausragende Orte der Moderne – Weg weisende Architektur, die Anfang des 20. Jahrhunderts unser Verständnis von Leben, Arbeiten, Lernen und Wohnen nachhaltig beeinflusst haben.
Laubenganghäuser in Bad Dürrenberg
So forderte die Erweiterung der Leuna-Werke in den 1920er Jahren beispielsweise ein ganz besonderes Projekt – die Gartenstadt Bad Dürrenberg. Zu ihrer Errichtung wurden einige der besten Architekten und Planer der 1920er Jahre engagiert, u. a. auch aus dem Umfeld des Bauhauses, der Bauhausdirektor Walter Gropius und Alexander Klein. Entstanden ist eine der wichtigsten Siedlungen dieser Zeit – auf der Schwelle zwischen Tradition und Moderne. Sehenswert sind die so genannten Laubenganghäuser (heutige Thomas-Müntzer-Straße 2-10), ein für die 1920er Jahre typischer Gebäudetyp. Im Erdgeschoss der Thomas-Müntzer- Straße 6h kann heute eine Museumswohnung besichtigt werden. Im Sommer war diese Korrespondenzstandort einer Ausstellung des Stadtmuseums Halle zum Thema „Kleinwohnungen“.
Hintergrund zum Netzwerk:
Im Netzwerk „Bauhaus Dessau und die Moderne in Sachsen-Anhalt“ werden auf Initiative des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung und der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH seit Beginn des Jahres 2019 diese Orte dauerhaft in das touristische Angebots- und Vermarktungsprofil des Landes integriert und anhand von Informationsstelen und -tafeln für Gäste erlebbar gemacht. Weiterführende Informationen finden Sie auch im Internet auf http://www.bauhaus-entdecken.de

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