Ankunft der Moderne

VON ROBERT BRIEST, Mitteldeutsche Zeitung 7.12.2019
Es ist eine schlichte zweigliedrige Betonstele, die Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU) und Eigentümer Gert Micheel am Freitagmorgen vor dem Zollinger-Haus in der Merseburger Christianenstraße enthüllten.Eine vieleckige Tafel, die im oberen Abschnitt eingelassen ist, klärt nun Besucher und Interessierte über Merseburgs Beitrag zur Moderne auf: das Zollinger-Dach. Die aus Holzrauten gebildete lamellenförmige Konstruktion des früheren Merseburger Stadtbaumeisters ermöglichte es ab den 20er-Jahren günstig und mit wenig Materialaufwand und die charakteristisch gebogenen Dächer zu bauen.

Dies würdigt das Land nun mit der neuen Stele. Sie soll, so erklärte es Friederike Süssig-Jeschor von der, Mitarbeiterin der Investitions- und Marketinggesellschaft des Landes, die Domstadt mit dem Netzwerk der Moderne verbinden. Mit diesem versucht Sachsen-Anhalt seine baulichen Schätze aus dem frühen 20. Jahrhundert auch über das Bauhausjahr 2019 hinaus touristisch zu verwerten. 39 Orte in 14 Städten gehören zum Netzwerk, das seinen Schwerpunkt natürlich in der Bauhausstadt Dessau hat. Aber auch Orte wie Elbingerode, Haldensleben oder Bad Dürrenberg finden sich auf der zum Projekt gehörenden Website. „Es geht darum, auch die kleinen Orte über Dessau hinaus in den Fokus zu rücken.“ Die Orte seien im Vorjahr ausgewählt wurden. Dabei sei ein wichtiges Kriterium gewesen, dass die Gebäude noch zugänglich sind, berichtete Süssig-Jeschor und fügte an: Die Stele in Merseburg ist erst die zweite im Land. Die Errichtung sei wegen der Eigentumsverhältnisse der Grundstücke nicht immer einfach. Weitere Stelen sollen aber folgen, etwa an der Großgarage in Halle.

In Merseburg gab es keine Grundstücksprobleme. Hier kümmern sich viele Anwohner des Zollinger-Viertels und auch Micheel als Besitzer des Zollinger-Hauses ohnehin darum, die Leistung des Stadtbaumeisters sichtbar zu machen. Dafür erhielten sie den Dank von OB Bühligen. Micheel reichte diesen an seine Mieter für deren Geduld weiter. Hätte er vor drei Jahren gewusst, welche statischen Probleme die Sanierung des Hauses mit sich bringen würde, hätte er vielleicht die Finger davon gelassen. Nun zeigte er sich aber mit dem Ergebnis zufrieden und bescheinigte dem Land, den richtigen Ort für eine Stele der Moderne ausgewählt zu haben.

Weitere Infos zum Projekt finden Sie auf http://www.bauhaus-entdecken.de.

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