Lust auf Zollinger beim Schloßfest

Modell eines Zollinger-Daches erbaut von Wilfried Jannek

Mitteldeutsche Zeitung 15. Juni 2019 VON UNDINE FREYBERG

MERSEBURG/MZ Wilfried Jannek aus Blösien hat eine Baumpflege-Firma. Damit ist dem 64-Jährigen der Umgang mit Holz durchaus vertraut. Als sich sein Merseburger Sportverein SV Rabe 90 entschied, beim Festumzug zum Jubiläumsschlossfest ein Bild zu Ehren des früheren Stadtbaurates Friedrich Zollinger (1880-1945) darzustellen, weil ja 2019 in Merseburg Zollinger-Jahr ist, packte Jannek die Baulust. „Ich wollte einfach versuchen, ob man ein Zollingerdach nachbauen kann“, sagte er. Zollinger hatte sein berühmtes Dach nach dem Ende des Ersten Weltkrieges während seiner Zeit in Merseburg entwickelt. „Damals mangelte es an Material und es gab nur kleine Bretterteile“, sagte Wilfried Jannek. Deshalb habe auch er nur alte Holzpaletten benutzt. Wie man so eine Rauten-Lamellen-Konstruktion baut, diese Infos habe er sich aus dem Internet besorgt, da er keine Bücher dazu habe finden können. Rund zweieinhalb Tage habe er an seiner etwa 2,50 mal 1,40 Meter großen Konstruktion gearbeitet, die beim Umzug auf einem Anhänger transportiert wird, der von einem Rasentraktor gezogen wird. Wie üblich wird Wilfried Jannek beim Festumzug mit der ganzen Familie dabei sein – mit Ehefrau Cornelia (60), Sohn Steven (37) sowie Tochter Stephanie und Enkelin Kim (9) und natürlich unterstützt von weiteren 25 Mitgliedern des SV Rabe 90.

Die Kostümierung der Sportler im Zollinger-Look war für die Königliche Hofschneiderei allerdings eine echte Herausforderung. Denn für die Zeit ab etwa 1912 gibt es gar keine Kostüme im Fundus. Doch deren Chefin Kerstin Knoblauch gehen ja nie die Ideen aus. Sie schaute sich also in büchern an, wie man zu Zeiten Zollingers gekleidet war, und ihr fiel auf dass die Kleider aus der Zeit so ähnlich aussahen wie die Cul-de-Paris-Kleider Ende des 19. Jahrhunderts. Diese Kleider betonten den verlängerten Rücken der Damen und wurden auch Kleider mit „Pariser Hintern“ genannt. „Wir mussten nur das Kissen rausnehmen und schon hatten wir Kleider aus der Zollinger-Zeit“, schmunzelt Kerstin Knoblauch. Die Männer kostümiert sie alle als Zimmerleute.

Beim diesjährigen Festumzug, der am 16. Juni um 11 Uhr in der Sixtistraße beginnt und über Kliaplatte, Burgstraße und Krummes Tor zum Domplatz führt, wird es in diesem Jahr nur drei historische Bilder geben, um den Vereinen und Gruppen aus Merseburg und Umgebung mehr Platz einzuräumen

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